Modulor – Architektur, Immobilien, Recht
Mai6
Sehr gut aufgemacht mit interessanten Fachberichten.
Nachfolgend ein Auszug aus dem neuen Modulor.
Beobachtet man einen Bienenstock – eine aussergewöhnliche Struktur von höchster Geometrie – fällt einem nicht nur das emsige Treiben auf. Das organisierte Volk der Bienen ist ein grossartiger Baumeister, bei dem jedes Individuum wie von selbst gesteuert seine Arbeit verrichtet. Unermüdlich und ganz im Sinne der Allgemeinheit, fleissig und selbstlos. Doch bei genauem Hinsehen findet man die Königin, die scheinbar die Oberaufsicht innehat. Sie gibt dem Volk Antrieb, koordiniert dieses und sorgt zudem für Nachwuchs.
Der Vergleich zum Bauen ist naheliegend. Denn auch hier ermöglichen erst die vielen emsigen Individuen, dass aus den zahlreichen komplex vernetzten Einzelbausteinen ein grosses, funktionierendes Ganzes werden kann. Ob aber jeder für sich die Verantwortung trägt, im übertragenen Sinn nach den Plänen der „Königin“ ans Werk geht oder ob die „Königin“ das Gesamtwerk koordiniert und auch zu verantworten hat, ist für den Aussenstehenden weder bei einem Bienenstock noch bei einem von Menschenhand errichteten Bau nachvollziehbar.
Und schon sind wir beim Thema dieser Ausgabe: „Bauen total“. Das Bauen unter dem Dach eines Gesamtdienstleistungsanbieters – kurz GU oder TU – offenbart sich als eine Thematik, die zu den gegensätzlichsten Meinungen führt. Dass sich Preis-, Termin- wie auch Qualitätsgarantie unter einen Hut bringen lassen, muss laut Kritikern erst noch unter Beweis gestellt werden.
Wie dominant die Stellung der Generalunternehmer im Schweizer Baugewerbe ist, merkt man auch daran, dass sich Autoren nicht die Finger am Thema verbrennen wollen: Hinter vorgehaltener Hand oder bei einem persönlichen Gespräch wird heftig diskutiert und auch manche Kritik vorgebracht. Doch zu einem Artikel mit Autorenangabe scheinen sich die wenigsten durchringen zu wollen. So beispielsweise auch der SIA, der sich in allerletzter Minute von einem bereits zugesagten Artikel zurückgezogen hat.
Nichtsdestotrotz sorgt Modulør auch in dieser Ausgabe für Denkanstösse, Anregungen sowie Diskussionen und belebt die Meinungsvielfalt.


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