Folgen der Wirtschaftskrise nicht spürbar
August4
… meldet der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) in seinem Bericht über das Bauwirtschaftsjahr 2008. Auch für 2009 werden hohe Umsätze erwartet.
Prognosen für 2010 sind schwierig. Letztlich hängt die Entwicklung der Bauwirtschaft von den Entwicklungen in anderen Wirtschaftssektoren ab. Im Verlauf des Jahres 2008 ging für die erfolgsverwöhnte helvetische Wirtschaft ein fünfjähriger Wirtschaftsaufschwung zu Ende. In dieser Periode wurden jährliche Zunahmen über dem Potenzialwachstum realisiert. In den letzten zwei Quartalen 2008 haben die Auswirkungen der Finanzmarktkrise die Schweizer Export- und Teile der Binnenwirtschaft jedoch mit voller Wucht erreicht.
Das Baugewerbe nimmt in diesem veränderten konjunkturellen Umfeld eine Sonderposition ein. Erstens reagiert es auf realwirtschaftliche Entwicklungen in der Regel mit Verzögerung (im Abschwung wie im Aufschwung) und war vorläufig von der Krise wenig betroffen. Zudem wird nach Jahren, in denen die Baubranche einen unterdurchschnittlichen Beitrag zum Wachstum des schweizerischen BIP geleistet hat, von den Ökonomen der KOF ETH für 2009 und 2010 eine BIP-stützende Funktion des Baugewerbes erwartet.
Im Bauhauptgewerbe stiegen die Gesamtumsätze im Jahr 2008 um 5,2 % auf rund 17,9 Mia. Franken. Verantwortlich dafür war vor allem der Tiefbau, der sich besonders dynamisch entwickelte (+10,3 %). Die hohe Wachstumsdynamik des Tiefbaus war vornehmlich einigen volumenstarken Infrastrukturprojekten zuzuschreiben. Nach zwei sehr starken ersten Quartalen hatte der Wohnungsbau an Dynamik verloren und stagnierte auf hohem Niveau. Gleich verhielt es sich mit dem Wirtschaftsbau. Über das ganze Jahr hatte sich der gewerblich-industrielle Bau weiterhin dynamisch entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr fiel das Wachstum jedoch bescheiden aus. Die negativen prognostizierenden Indikatoren lassen 2009 eine gewisse Abkühlung vermuten. Der Wirtschaftsbau reagiert besonders sensibel auf realwirtschaftliche Entwicklungen, da er von den Investitionszyklen der Unternehmen abhängt.
Unsichere Zukunft
Ein Blick auf die gemeldeten Bauvorhaben für das 1. Quartal 2009 und die Auftragsbücher zeigt, dass sich die Baukonjunktur im ersten Semester 2009 insgesamt noch nicht spürbar eintrüben wird. Die in der Summe positiven Wachstumsperspektiven im Infrastrukturbau (vgl. Impulsprogramme und Projekte im Rahmen des Infrastrukturfonds) dürften dafür sorgen, dass sich beim gesamten Umsatz kein gravierender Einbruch ergeben sollte. Grundsätzlich macht es Sinn, die Konjunktur durch Investitionsprogramme zu stützen, doch soll dies mit Augenmass geschehen. Das Bauhauptgewerbe ist das Jahr 2009 mit Zuversicht angegangen. Prognosen für 2010 sind hingegen schwierig. Offen ist, ob die Schweizer Wirtschaft bereits wieder wachsen oder weiterhin in einer rezessiven Phase stecken wird. Schliesslich ist ein erfolgreiches Wirtschaften der Exportindustrie eine unerlässliche Bedingung für das langfristige Wohlergehen der Bauindustrie.

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